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10. Mai 2018 // Doris Wolter

Das Leben und die Zeit von Jamyang Khyentse Chökyi Lodrö

Schon im Vorwort des Buches Das Leben und die Zeit von Jamyang Khyentse Chökyi Lodrö wird offensichtlich, wieviel Sorgfalt Autoren und Übersetzer in dieses Projekt investiert haben. Das deutsche Team bemüht sich, dem hohen Anspruch und der Motivation dieses ersten Teams gerecht zu werden! Das Buch erscheint im Herbst 18.

Auszug aus der Einführung der Übersetzer Drubgyud Tenzin Rinpoche, Khenpo Sonam Phuntsok und Janine Schulz, Februar 2016

Um dem Team zu helfen, seine Bemühungen effektiv zu bündeln, bat Dzongsar Khyentse Rinpoche zwei seiner wichtigsten Freunde um Rat, die beide Pioniere in der Kunst sind, Tibetisch in moderne Sprachen zu übersetzen: Jigme Khyentse Rinpoche und Tulku Pema Wangyal Rinpoche.

„Konzentriere dich darauf, die Bedeutung rüberzubringen“, sagte Jigme Khyentse Rinpoche. „Beginne, indem du sicher stellst, dass jedes einzelne tibetische Wort übersetzt wurde, auch wenn es im Englischen erst einmal komisch klingt. Nur wenn du zufrieden bist, dass jedes einzelne Wort sinngemäß übersetzt wurde, solltest du anfangen, die Sprache zu verfeinern. Letztendlich muss der Text so klingen, als ob er einem englischen (und nun deutschen) Originaltext entspringt – belass es nicht im halb fertigen Zustand. Benutze so viele wörtliche Übersetzungen aus dem Tibetischen wie möglich, aber wenn die wörtliche Übersetzung die falsche Bedeutung vermittelt oder den Text unleserlich oder dumpf macht, dann ändere ihn. Versuche gleichzeitig so wenig wie möglich auszulassen. Aber stelle sicher, dass das Endergebnis gutes Englisch ist.“

Neben dem Ratschlag zur praktischen Vorgehensweise bei der Übersetzung des Textes empfahl Pema Wangyal Rinpoche, dass wir zu Dilgo Khyentse Rinpoche, untrennbar von Manjushri, um Inspiration beten und dann mit der Arbeit beginnen. Er wies darauf hin, dass die nie gelesenen Bücher, die auf unendlichen Bibliotheksregalen der ganzen Welt Staub ansammelten, von Gelehrten geschrieben worden wären, die nicht aus der Inspiration von Bodhicitta schrieben. Und um diese Übersetzung nutzbringend und lesbar zu machen, sagte er, müsse sie inspirierend sein, lediglich einen konzeptuellen Text mühsam hervorzubringen, wird nicht funktionieren. „Was ihr braucht, ist Inspiration, denn es ist Inspiration, die in euch etwas eröffnet. Dann braucht ihr den Mumm, die Übersetzungen aus eurem eigenen Mund herauszulösen – ihr müsst eine echte Anstrengung machen, die auf aufrichtigem Entsagungsgeist basiert und auf dem Mut, die wahre Bedeutung aufdecken zu wollen.“ Pema Wangyal Rinpoche empfahl ebenfalls, dass wir Bodhicitta erwecken, bevor wir mit der Arbeit beginnen, unsere Aufmerksamkeit während des Übersetzens oder des Redigierens ausrichten, ohne der Ablenkung zum Opfer zu fallen und schließlich das Verdienst der Erleuchtung allen Lebewesen widmen. Auf diese Weise würde unsere Arbeit zur spirituellen Praxis werden, und wie lange die Übersetzung auch dauern würde, letzten Endes würde sie anderen helfen.

Jigme Khyentse Rinpoche wandte sich dann der Frage zu, wie man Zitate aus den Tantras übersetzen sollte. Er hatte das Gefühl, die Worte sollten ganz buchstäblich niedergeschrieben werden, „so wie sie sind“, weil es keine Möglichkeit gäbe zu wissen, ob eine Übersetzung in der ‚Bedeutung‘ richtig ist oder nicht. Er erklärte, dass im Tibetischen die tantrische Sprache in solch ein poetisches Gerüst eingehüllt ist, dass auch tibetische Leser es nicht verstehen könnten. Gebildete Tibeter könnten in der Lage sein, die einzelnen Worte des Namtars zu lesen, und manche mögen sogar die seltene Anmut der Sprache schätzen können, aber nur wenige wären in der Lage zu verstehen, was es wirklich bedeutete – weshalb die Tibeter sich gewöhnlich auf die Kommentare verließen. Was auch immer die Sprache sei: Poesie ist von Natur aus rätselhaft, so dass die englische Übersetzung eines tibetischen Verses wahrscheinlich ebenso unklar sein wird wie das Original. Was wichtig ist, darin waren sich beide Rinpoches einig, dass das Lyrische – die Poesie – beibehalten werden sollte, auch wenn es scheinbar die Bedeutung verschleierte. Wenn Leser wirklich wissen wollen, worum es in dem Vers geht, sollten sie ihre Lehrer bitten, es ihnen zu erklären. (…)

Aber es war nicht alles Durcheinander und Verwirrung. Wir haben auch etliche wunderbar erleuchtende Momente der Klarheit genossen. Zum Beispiel schlug Jigme Khyentse Rinpoche vor, dass ‚eine Ausstrahlung der grenzenlosen Darstellung des Mitgefühls‘ (Wyl. thugs rje yas sprul) als ‚die eigentliche Offenbarung des reinen Mitgefühls‘ übersetzt werden sollte, welches nicht nur eine schöne, sondern auch brillante Lösung war. Es hat uns auch ermutigt und erlaubt, unsere Imaginationskraft ein wenig anzukurbeln.

Schon früh in diesem Prozess unserer Übersetzungsarbeit hat Dzongsar Khyentse Rinpoche sich die Mühe gemacht, unsere eher umständliche Übersetzung der ersten Seiten klarer auszurichten:

Das wunderbare und perfekte Beispiel deines Lebens, so selten wie die Udumbara Blume, durchdringt Jambudvipa, wie das Licht der Sonne und des Mondes.

„‚Durchdringen‘? Es ist mehr wie ‚ausbreiten‘. Gibt es ein besseres Wort für Ausbreitung?“ fragte er. „Es ist so…“ Und er goss Wasser aus seinem Glas über den Tisch. „Das Wasser hat sich ‚ausgebreitet’“, sagte er, „aber die Konnotation ist, dass es mühelos und unaufhaltsam ist. Wie eine Flut.“ Und so wurde aus diesen Zeilen:

Das wunderbare und makellose Beispiel deines Lebens, so selten wie eine Udumbara Blume, überflutet Jambudvipa wie Sonne und Mond mit loderndem Leuchten.

Die moderne Welt ist praktisch eingestellt. Um sicher zu sein, dass wir genau wissen, über wen wir reden, beschränken wir uns darauf, einen Namen für eine Person zu verwenden. John Smith wird immer John Smith oder John oder Mr. Smith sein. Der literarische Stil des Tibetischen ist jedoch kreativer, und großen Lamas werden dutzende Namen gegeben, wenn nicht sogar Hunderte von Namen. Es ist eine Tradition, die ihre Wurzeln in der indischen Kultur hat, aber das erschwert die Identifizierung von Charakteren in einer Geschichte. Für die alten Inder galt: Je mehr Namen eine Person hatte, umso mächtiger und einflussreicher wurde sie betrachtet.Als leidenschaftlich engagierter Rime-Meister praktizierte Dilgo Khyentse Rinpoche jeden Aspekt der tibetisch-buddhistischen Tradition. Dies beinhaltete, dafür zu sorgen, dass die weniger bekannten Namen der Meister niemals vergessen wurden, indem er sie in seinen Schriften benutzte – sowohl die formellen Namen, als auch ihre umgangssprachlichen Abkürzungen. Aber in diesen degenerierten Zeiten ist diese kulturelle Gepflogenheit fast ganz und gar ausgestorben. Wenn ein Freund erwähnen würde, er ginge zum Tee mit der Herzogin von Edinburgh, wer unter uns wüsste schon, dass er über Königin Elisabeth von England spricht? In einem solchen gesellschaftlichen Klima entschloss sich das Übersetzerteam, nicht allzu viele verschiedene Versionen des Namens eines Meisters zu verwenden. Und wo mehr als eine Form eines Namens erschien, haben wir uns auf den Kontext verlassen, um zu klären, wer hier wer ist. (…)

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